Geschichtliches

zum Schützenfest

Im Mittelalter mussten sich einige Städte noch selber vor Plündererbanden schützen. Aus diesem Grund wurden Vereine gegründet, die einer Bürgerwehr ähnelten.
M
it dem von König Heinrich I. im Jahr 924 erlassenen Gesetz zur Wehrverfassung der Städte wurden diese Bürgerwehrenzumindest was Siedlungen mit Stadtrecht betrifftdann erstmals auch sanktioniert und offizieller Teil der Stadtverteidigung.
So wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg die Bürgerschaft pflichtgemäß durch regelmäßiges Scheibenschießen in Übung gehalten. Im Zusammenhang mit den Übungen und den Musterungen der Aufgebote wurden Feierlichkeiten, verbunden mit Umzügen, veranstaltet. Zu diesen Feierlichkeiten wurden auch Teilnehmer aus befreundeten Gemeinden eingeladen.

Der selbstbewusste Charakter dieser Veranstaltungen der Bürger wurde aber nicht zu allen Zeiten von der Obrigkeit gern gesehen. So er erging am 7. Juli 1710 erstmals ein Verbot des Scheibenschießens in Winsen, welches kaum bzw. nicht eingehalten wurde.  Im Rescript vom 4. März 1711 wurde bestimmt:“… wenngleich das Scheibenschießen im Allgemeinen verboten, die jenigen mit besonderen Privilegien begnadigt und sie sich im Notfalle zur Defension des Landes gebrauchen lassen müssen, dasjenige nicht entzogen werden dürfe, was sie dazu geschickt mache„.
Jede Ortschaft könne daher ihr Schießen ohne Gesöff und Unordnung halten und sollten die Preise zum Besten der Ortschaften bleiben.

Die welfischen Herzöge hatten offenbar seinerzeit kein stehendes Heer. Vielmehr gab es die Verpflichtung der Bauern, sozusagen bei Bedarf Kriegsdienst zu leisten. So ist es nachvollziehbar, dass die Obrigkeit darauf Wert legte, dass die Bauern sich im Schießen übten, damit sie im Bedarfsfall auch treffen konnten.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts artete das Schießen derart aus, sodass an Montagen kaum jemand in den Werkstätten zu finden war, Frauen klagten, dass Männer das ganze Geld verschießen würden. Es kam daher oft zu Tumulten und Schlägereien auf dem Schützenplatz. Erst 1750 erneuerte König und Kurfürst Georg II. das gegen die Schützenfeste gerichtete Verbot mit folgender Begründung:  „Weil an den mehresten Orten sich ergeben, dass durch das Scheibenschießen mancherley Ausschweifungen, Zeit und Geld-Verspilderungen, Unmäßigkeit im Trinken, Schlägerei und allerhand Unfug veranlasset „.

 

Diesmal erfolgte keine nachträgliche Aufhebung, nicht einmal eine Lockerung. Die Schützenfeste waren verboten.

Im 18. Jahrhundert und während der napoleonischen Besetzung war das Schützenfest ganz verboten. Fast ein Jahrhundert lang ruhten überall im Hannoverlande die Feste.

Daher entwickelten sich regional sehr unterschiedliche Traditionen. Durch die über die Jahrhunderte abnehmende militärische Signifikanz wurde die Aufstellung regulärer Truppen und Garnisonen zur Landesverteidigung bedeutungslos, die Schützenfeste und Schützenvereine blieben als heimatliche Tradition und regionale Brauchtumspflege erhalten. Die mit den Schützenfesten verbundenen Traditionen können regional doch sehr unterschiedlich sein.

Die Bräuche um das Schützenfest werden auch bei uns in Stolzenau, anknüpfend an die alte Tradition mit Schützenumzügen gepflegt.

Alle zwei Jahre (das Jahr mit einer geraden Zahl) findet in der Woche der Schlacht von Waterloo (18. Juni 1815) in Stolzenau das Schützenfest statt.

Die Liste der Schützenfestkönige läßt sich bis in das Jahr 1814 zurückverfolgen, unter den Schützenfestkönigen finden sich Namen wie:
Georg Kronprinz von Hannover, Ernst-August Kronprinz von Hannover sowie Kaiser Wilhelm I.

Seit 1864 gibt es in Stolzenau auch Kinderkönige.

Der Traditionsverein achtet in den Regularien auf die Beibehaltung der alten Traditionen, die sich bis heute im Schützenfest bewahrt haben.